Warme Farben statt sterile Kacheln

Remy Reuter, Leiter des Pflege- und Altenheims Gerricusstift in Düsseldorf-Gerresheim ist zufrieden: „Endlich haben wir einen Raum mit einer freundlichen Atmosphäre, in dem Angehörige in Ruhe Abschied von einem Verstorbenen nehmen können.“ Der bisherige „Abschiedsraum“ glich eher einem Obduktionsraum und wurde deshalb kaum genutzt: Kacheln bis zur Decke, steriles Licht aus Neonröhren, Fliesen auf dem Boden, in der Mitte ein Abflussdeckel. Verstarb ein Bewohner des Altenheims in einem Zweibettzimmer, musste das Pflegepersonal bisher unter großem Aufwand einen Raum zum Abschiednehmen „organisieren“.
 
Dank der Bürgerstiftung Gerricus, die die Neugestaltung des Raums koordinierte und finanzierte, haben nun auch Angehörige mit einer weiten Anreise die Möglichkeit, sich Zeit für ihre Trauer zu nehmen. Die Wände sind verputzt, der fensterlose Raum wirkt heller, der Fußboden in Holzoptik wohnlich, das Licht lässt sich dämmen. Zwei weiße Sessel laden zum Verweilen ein.

Rund 6.700 Euro brachte die Bürgerstiftung Gerricus für das Projekt auf. Realisiert werden konnte es jedoch erst durch großzügige Zeitspenden: Innenarchitektin Ursula Legge konzipierte den Raum und half mit ihren beiden Söhnen tatkräftig beim Verputzen und Bodenverlegen. Die Firmen Föster, Moll und Arnold leiteten unentgeltlich die ehrenamtlichen Helfer an, spendeten Material und halfen somit, die Kosten für ihre Profiarbeiten deutlich zu reduzieren. Insgesamt hätten die Helfer gut 100 Stunden an ehrenamtlicher Arbeit „gestiftet“, schätzt Barbara Krug, Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Gerricus. In die Planung der Neugestaltung flossen auch die Erfahrungen der ökumenischen Hospizgruppe Gerresheim ein.

Ein besonderes Geschenk machten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9a des Friedrich-Rückert-Gymnasiums dem Pflege- und Altenheim: Sie „stifteten“ ihre kunstvoll gestalteten Bilder von Kreuzen, die nun an den Wänden im Abschiedsraum hängen. Unter Anleitung von Kunstlehrerin Rena Scheiter, die in der Bürgerstiftung Gerricus und der Gemeinde St. Margareta aktiv ist, hatten die Schüler sich zunächst Gedanken gemacht, welche Gefühle, Worte und Symbole sie mit dem Kreuz verbinden. Anschließend gestalteten sie in unterschiedlichen Farben und Formen Kreuze – z.T. als Collage oder mit bunten Steinen verziert. Dass die Bilder im Gerricusstift aufgehängt werden sollen, erfuhren die Schüler erst am Ende der Unterrichtsreihe. Svenja van Wüllen, die „Hoffnung“ auf ihr Kreuz geschrieben hat, war sofort begeistert von der Idee, weil ihr Bild dadurch nicht zu Hause in der Schublade landet, sondern „einem guten Zweck dient“. Dass die Kreuzdarstellungen den Nutzern des Abschiedsraumes gefallen und sie sich darüber freuen, hofft Sarah Schophaus. Beide Schülerinnen haben bereits Erfahrungen mit dem Thema Tod gemacht als nahe Verwandte verstorben sind.

Von Angelika Fröhling

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