Sie denken, ihnen würde keiner glauben - Dr. Motzkau klärt über sexuellen Missbrauch von Kindern auf

Warum hat mir mein Kind nichts gesagt? Diese Frage stellen sich viele Eltern, deren Kind sexuell missbraucht wurde. Dr. Eberhard Motzkau ist Leiter der Kinderschutz-Ambulanz des Evangelischen Krankenhauses Düsseldorf (EVK) und weiß aus seiner langjährigen Berufserfahrung, dass sexuell missbrauchte Kinder meist unter Angst, Scham, Schuldgefühlen und Hilflosigkeit leiden.
 
„Häufig denken sie, dass ihnen keiner glauben würde,“ erklärte Dr. Motzkau auf einem Votragsabend des Fördervereins der Kindertagesstätte St. Margareta und der Bürgerstiftung Gerricus im Gerresheimer Stiftssaal. Oft handele es sich dabei um Kinder und Jugendliche mit geringem Selbstbewusstsein.

Statistisch gesehen sind 95 Prozent der Schädiger Männer und kommen zu rund 80 Prozent aus dem familiären Nahbereich. Anhand der Beispiele der 13-jährigen Cindy und des 10-jährigen Marco machte Dr. Motzkau deutlich, dass die Opfer häufig ein ambivalentes Verhältnis zu ihrem Schädiger haben, weil sie ihn trotz allem lieben (z.B. den eigenen Vater) oder sich ihm verpflichtet fühlen, weil er ihnen Aufmerksamkeit und teure Spielsachen schenkt.

Anzeichen von sexueller Gewalt zu erkennen, sei sehr schwierig, betonte der Leiter der Kinderschutz-Ambulanz des EVK. Körperliche Symptome wie Verletzungen im Genitalbereich, Schmerzen, Ess- und Schlafstörungen, Atembeschwerden oder Verdauungsprobleme träten nur bei einem Drittel der missbrauchten Kindern und Jugendlichen auf. Häufiger seien dagegen massive Verhaltensänderungen: Mädchen zögen sich emotional zurück, Jungs würden dagegen eher aggressiv und wütend.

Wie geht man bei einem Verdacht am besten vor? Dr. Motzkau warnte davor, sich zu sehr mit dem Opfer zu identifizieren und aus Wut auf den Schädiger in Aktionismus zu verfallen. Motzkau riet dazu, sich Zeit zu nehmen, die eigenen Sorge zu äußern und dem Kind in einem ruhigen Einzelgespräch zuzuhören. „Holen Sie sich fachliche Hilfe und unternehmen Sie keine Alleingänge,“ betonte Dr. Motzkau, der immer wieder eindringlich versuchte, die Perspektive und die Gefühle der betroffenen Kinder zu schildern. Ohne die Zustimmung des Kindes sollte keine Entscheidung getroffen werden. Bei akuter Gefahr, so Motzkau, dürften Kinder jedoch auch ohne Einwilligung der Sorgeberechtigten über Nacht in Obhut genommen werden.

Von Angelika Fröhling

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