Gerresheimer Evangeliar war erstmals wieder in Gerresheim zu sehen – Vortrag von Professor Graf Finckenstein

Professor Dr. Albrecht Graf Finckenstein von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Professor Dr. Albrecht Graf Finckenstein von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen ließ Karl-Heinz Sülzenfuß, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Margareta, das wertvolle mittelalterliche Evangelien-Buch aus den klimatisierten, nicht öffentlich zugänglichen Kellerräumen der Schatzkammer von St. Lambertus in das Gerresheimer Stiftsgebäude holen. Dass sie das knapp tausend Jahre alte Liturgie-Buch im Original bewundern durften, damit hatten die rund 120 Teilnehmer des Vortrags von Professor Dr. Albrecht Graf Finckenstein zum „Gerresheimer Evangeliar“ nicht gerechnet. Ehrfürchtig streiften die Zuhörer nach dem Vortrag die weißen Handschuhe über und blätterten vorsichtig die alten Pergamentseiten um.

Das Evangeliar, das nun schon seit vielen Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt wurde, war somit erstmals wieder in Gerresheim zu sehen. Der Kodex aus ottonischer Zeit gehört zu den wertvollsten Gegenständen der Basilika St. Margareta. Da die Gemeinde St. Margareta keine eigene Schatzkammer besitzt, wurde das Gerresheimer Evangeliar gleich darauf wieder nach St. Lambertus gebracht.

In seinem vom Bürger- und Heimatverein Gerresheim, der Bürgerstiftung Gerricus und der Gemeinde St. Margareta organisierten Vortrag betonte Professor Graf Finckenstein von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, wie mühevoll die Herstellung eines solchen Kodexes war. Bis aus rund 800 Schaffellen genügend Pergamentblätter entstanden, liniert, beschrieben und bemalt waren, vergingen oft Jahre. Den wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge wurde das Evangelien-Buch Anfang des 11. Jahrhunderts – auf dem Höhepunkt der mittelalterlichen Buchmalerei – im Kölner Kloster St. Pantaleon hergestellt. Dabei weist es zahlreiche kunstgeschichtliche Besonderheiten auf. Dazu zählt zum Beispiel die Miniatur des Evangelisten Matthäus, der als junger Mann mit braunen Haaren dargestellt ist – ganz im Gegensatz zu den übrigen, weißhaarigen Evangelisten und den sonst üblichen Darstellungen. Sehr ungewöhnlich ist auch die Abbildung der geflügelten Evangelistensymbole in den vier Ecken eines Kreuzigungsbildes.

Professor Graf Finckenstein geht davon aus, dass statt mehrerer „Scriptores“ und „Miniatores“ ein einziger Mönch in jahrelanger Kleinarbeit die vier Evangelien inklusive eines Vorworts aufgeschrieben und die kunstvollen Miniaturen und Schmuckinitialien gemalt hat. Die Brillanz der Farben, die aus Pflanzen, Mineralien und Metallen erst angerührt und nach dem Bemalen und Trocknen mit einem Eberzahn glatt gerieben werden mussten, besticht noch heute. Wie gedruckt wirken zudem die in „Karolingischen Minuskel“ geschriebenen Texte, der damals im Frankenreich verbreiteten Schrift.

Aus den mit Eidesformeln und Schenkungs-Eintragungen versehenen Pergamentseiten, die dem Gerresheimer Evangeliar vorangestellt sind, ist ersichtlich, dass das Liturgie-Buch noch bis ins 14. Jahrhundert im Gebrauch war. Dafür ist es erstaunlich gut erhalten.

Wer den Vortrag verpasst hat und sich das Gerresheimer Evangeliar mit seinen kunstvoll gestalteten Miniaturen und schmuckvollen Anfangsbuchstaben gerne einmal anschauen möchte, findet Fotografien der Seiten unter www.ceec.uni-koeln.de

Von Angelika Fröhling

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Bürgerstiftung Gerricus
Gerricusstraße 9
40625 Düsseldorf
Telefon: +49 211 289330
Telefax: +49 211 294071
Mail

Stadtsparkasse Düsseldorf
Kontoinhaber:

Bürgerstiftung Gerricus
IBAN: DE96300501101005225782

Deutsche Bank Düsseldorf
Kontoinhaber:

Bürgerstiftung Gerricus
IBAN: DE33300700240991001900