Julius Berger sorgt für einen fulminanten Abend

Es kommt nicht oft vor, dass ein Musiker jedes seiner Stücke selbst ankündigt und mit philosophischen, theologischen und persönlichen Worten einordnet. Deshalb war das Konzert „Der göttliche Klang -

die Kraft der Musik“ mit Julius Berger in der Basilika

St. Margareta in Düsseldorf-Gerresheim gleich in doppelter Hinsicht ein außergewöhnlicher Abend. Zum einen ist Julius Berger einer der bedeutendsten deutschen Cellisten. Er versteht es meisterhaft seinem Instrument - an jenem Abend ein Cello von Giovanni Battista Rogeri aus dem Jahr 1723 - auch die ungewöhnlichsten und facettenreichsten Töne zu entlocken.

Zum anderen zitierte das Mitglied des Zentralrats der Katholiken an jenem Abend u.a. Goethe, Bach und Meister Eckart. Er nahm die Zuhörer mit auf eine musikalische Reise von den prähistorischen Menschen, die vor 35.000 Jahren auf einer Knochenflöte spielten und sich durch die Entdeckung der Töne „als Teil eines höheren Ganzen“ erlebten, bis hin zu Sofia Gubaidulina, einer zeitgenössischen Komponistin, mit der Julius Berger freundschaftlich verbunden ist.

Doch Julius Berger ordnete die insgesamt sechs Werke, die er zum Klingen brachte, nicht etwa chronologisch an. Auf das erste Stück, die Synagogalweise „Kol Nidré“, die „unsere jüdischen Schwestern und Brüder“ am Vorabend des Versöhnungsfestes „Jom Kippur“ beten und singen, folgte ein Ausschnitt aus dem Stück „One“, das John Cage 1991 für Violoncello solo komponierte. Diese „Töne“, die nach Ansicht von Julius Berger „Einblicke in die Ursituation des Menschen gewähren können“, standen wiederum in krassem Kontrast zur sich anschließenden Suite I G-Dur von Johann Sebastian Bach. Für Julius Berger, der mit 28 Jahren an die Musikhochschule Würzburg berufen wurde und damals einer der jüngsten Professoren Deutschlands war, gehören Bachs Cello-Suiten „zu den großen Herausforderungen für jeden Cellisten“.

 

Vielleicht weil Julius Berger das älteste erhaltene Cello der Welt, das „King Charles IX“ von 1566, spielt, interessiert er sich auch für die ältesten Werke der Cello-Literatur. Bei seinem Konzert in Gerresheim interpretierte er zwei „Ricercare“ von Giovanni Battista degli Antonii (1640 – 1698) und Giovanni Gabrielli (1651 – 1690). Die Einschätzung der meisten Fachleute, die diese Stücke als „Vorstudien“ und „Übungswerke“ abtun, teilt Berger nicht. Er hält es sogar für wahrscheinlich, dass sie Johann Sebastian Bach als Vorbild gedient haben.

An Bach bewundert Berger vor allem „sein Wirken in der Demut gegenüber seinem Schöpfer“. Für den Cellisten Berger ist das „nie endende Ringen um die geistige Botschaft“ die wichtigste Aufgabe eines Musikers. Und: „Wir können dieser Aufgabe nur gerecht werden, indem wir eine immer größer werdende Liebe zu dem Werk entwickeln, eine Liebe, die nicht aufhört in einen inneren Sinn hineinzuhören.“

Vor dem Konzert, zu dem der Förderkreis für Musik an der Basilika St. Margareta, die Katholische Kirchengemeinde St. Margareta, das ASG-Bildungsforum und die Bürgerstiftung Gerricus eingeladen hatten, wurde das Publikum darum gebeten, zwischen den Stücken nicht zu klatschen. Dadurch wirkten die Töne im weiten Raum der romanischen Basilika noch lange nach. Erst nach einiger Zeit der Stille brach am Schluss der verdiente Applaus los für Julius Berger und sein fulminantes Cello-Konzert sowie einen ergreifenden Abend mit göttlichem Klang und kraftvoller Musik.

 

Weitere Informationen zu Prof. Julius Berger unter: www.juliusberger.de

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Bürgerstiftung Gerricus
Gerricusstraße 9
40625 Düsseldorf
Telefon: +49 211 289330
Telefax: +49 211 294071
Mail

Stadtsparkasse Düsseldorf
Kontoinhaber:

Bürgerstiftung Gerricus
IBAN: DE96300501101005225782

Deutsche Bank Düsseldorf
Kontoinhaber:

Bürgerstiftung Gerricus
IBAN: DE33300700240991001900