Friedrich Spee - ein Verfechter der Menschenrechte

Hans Müskens
Hans Müskens

Gebannt verfolgten die Zuhörer den Vortrag von Hans Müskens, dem Vorsitzenden der Friedrich-Spee-Gesellschaft e.V. Düsseldorf, als dieser auf Einladung von Bürgerstiftung Gerricus, Pfarr-gemeinde St. Margareta, Bund Neudeutschland und ASG-Bildungsforum im Stiftssaal in Gerresheim über das Leben von Friedrich Spee von Langenfeld sprach. Hans Müskens schilderte ebenso fesselnd wie anschaulich das Wirken des „ungehorsamen“ Jesuitenpaters Friedrich Spee, der sich bereits im 17. Jahrhundert. für das ein-setzte, was wir heute Menschenrechte nennen.

 

 

Porträt von Friedrich Spee
Porträt von Friedrich Spee

Der in Kaiserswerth als Sohn des Burgvogts der dortigen Pfalz geborene Spee trat mit neunzehn Jahren dem Jesuitenorden bei. Nach seiner Priesterweihe lehrte er in Trier, Köln und Paderborn, ebenso war er als Seelsorger und Beichtvater tätig. In dieser Funktion hatte er vermutlich Kontakt zu Frauen, die der Hexerei bezichtigt worden waren. Das hoffnungslose Schicksal dieser unschuldig Verurteilten bewegte ihn zutiefst, sodass er sich fortan in seinen Schriften mit deutlichen Worten gegen jene Obrigkeiten wandte, die die Hexenverfolgung erst möglich machten. Obgleich vor mehr als dreihundert Jahren verfasst, sind Spees zahlreiche Schriften von ungeahnter Aktualität. In seiner deutlichen Kritik an den herrschenden Zuständen und dem damit verbundenen Risiko, aus seinem Orden ausgewiesen oder gar selbst angeklagt zu werden, bewies er in besonderem Maße Zivilcourage.  

 

„Oh Gott, was ist das für ein Gräuel!“

 

Diese Worte entstammen Spees „Güldenem Tugendbuch“, in dem der Jesuit verschiedene Meditationstechniken vorstellt, die den Menschen zu einem Leben mit mehr Glaube, Hoffnung und Liebe anregen sollen. Doch handele es sich dabei keineswegs um eine „sanfte Meditation, die den Frieden herstellt“, betonte Hans Müskens. Die täglich stattfindende Ausgrenzung seiner Zeit offenzulegen, das sei vielmehr Spees Ziel gewesen. In einer Epoche, die gekennzeichnet war durch die Wirren und die Grausamkeit des Dreißigjährigen Krieges, in dessen Zuge überdies in weiten Teilen Europas die Pest wieder aufflammte, habe man nach Schuldigen gesucht, erklärte der Leiter des Spee-Archivs in Kaiserswerth. Diese haben man in den sogenannten Hexen gefunden - Frauen, die, einmal denunziert und in die Mühlen der Hexenprozesse geraten, nahezu keine Chance mehr hatten, lebendig aus ihnen herauszukommen. Das persönliche Erleben in dieser grausamen Zeit hätte ebenso gut zu Hoffnungslosigkeit und Resignation führen können, so Müskens, doch nicht bei Friedrich Spee – dieser habe stattdessen „das Prinzip Hoffnung“ vertreten. 

 

„Der Prozess macht erst die Hexen.“

 

In seiner Kampfschrift gegen die Hexenprozesse, der „Cautio Criminalis“, setzt Spee sich kritisch mit den zeitgenössischen Praktiken dieser „Prozesse“ auseinander, die von Folter ebenso wie von einer von vornherein vorausgesetzten Schuld der Beklagten geprägt waren – und das nicht nur in moralischer, sondern in rechtlicher Hinsicht. Und er widmet sein Werk provokativ insbesondere jenen Obrigkeiten, „die es nicht lesen werden“. Mit Logik und Scharfsinn legt Spee dar, dass unter der Folter jeder, selbst der überzeugteste Jesuit, Priester oder Prälat, seine vermeintliche Schuld bekennen würde: „Sie werden gestehen!“ Denn: „Der Prozess macht erst die Hexen.“ Seine Forderungen sind von ungeahnter Aktualität: So verlangt Spee etwa nicht nur die Abschaffung der Folter, sondern auch, „dass einer solange als unschuldig zu gelten habe, bis seine Schuld erwiesen sei“. Auch fordert er einen unabhängigen Rechtsbeistand für die der „Hexerei“ angeklagten Frauen, und dass dieser nicht automatisch selbst in den Verdacht des „Teufelsbundes“ gerate, wenn er sich eines solchen Falls annehme. Dabei musste sich Spee auch selbst schützen. Nicht umsonst erschien der „Cautio Criminalis“ anonym und ohne Druckort, bzw. in der Zweitauflage mit falschem Druckort. 

 

Gegenwartsbezug

 

Immer wieder verwies Hans Müskens auf die Relevanz, die Spees Wirken und Werke bin in unsere heutige Zeit besitze: Spee habe „einen für seine Zeit modernen, zukunftsweisenden theologischen Ansatz“ gewählt. Als Verteidiger der zu Unrecht Angeklagten sei er ein „früher Verteidiger der Menschenrechte“, der darüber hinaus den Mut besessen habe, seine Position auch gegen die Machthaber und die öffentliche Meinung zu vertreten. Friedrich Spee – ein Vorbild für alle. Auch für uns.

 

 

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