Pfarrer Hoitz: "Jeder Ort muss als Kulturlandschaft gesehen werden"

Pfarrer Markus Hoitz während seines Vortrags im Stiftssaal von St. Margareta
Pfarrer Markus Hoitz während seines Vortrags im Stiftssaal von St. Margareta

Auf Einladung von Bürgerstiftung Gerricus, Bürger- und Heimatverein Gerresheim, Kulturkreis Gerresheim, Grafenberg und Hubbelrath sowie der Gemeinde St. Margareta hielt Pfarrer Markus Hoitz einen informativen Vortrag zum Thema "Was Gerresheim von der Klosterlandschaft Heisterbach lernen könnte" . Dabei spickte er seine Ausführungen mit zahlreichen Anekdoten aus seiner Heimat.

 

Pfarrer Markus Hoitz und Barbara Krug
Pfarrer Markus Hoitz und Barbara Krug

Was macht eine Landschaft zur „Kulturlandschaft“? Letztlich sei jede Landschaft, die der Mensch durch sein Eingreifen geprägt hat, eine Kulturlandschaft, sagte Markus Hoitz. Eine Kulturlandschaft sei identitätsstiftend, sie habe „die Herkunft und die Zukunft im Blick“. Eine Kulturlandschaft sei zudem erinnerungsauslösend, dazu brauche sie Punkte, an denen man ihre Entwicklung ablesen könne. Hoitz betonte jedoch, dass dies nicht bedeute, „wir bauen einen Zaun drumherum und machen daraus ein Freilichtmuseum.“ Eine Kulturlandschaft dürfe nicht die Zukunft aus den Augen verlieren, denn „eine Kulturlandschaft muss leben“. 

 

In Gerresheim ist der Blick auf die Vergangenheit nicht nur durch die weithin sichtbare Basilika gewährleistet. Auch der Industriepfad leiste, so Hoitz, wertvolle Erinnerungsarbeit.  

 

Kooperation und Planung: Gerresheim als Kulturlandschaft

 

Als Mitte der 1980er Jahre die Zukunft der Klosterlandschaft Heisterbach (bei Königswinter im Siebengebirge gelegen) ins Auge gefasst wurde, versammelte man alle Akteure an einem Tisch, Behörden ebenso wie Theologen, Heimat- und Bürgervereine und den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutchland (BUND), um nur einige zu nennen. „Gemeinsam“, betonte Hoitz, habe man die Zukunft des Areals geplant – auch dies ein wesentliches Merkmal einer Kulturlandschaft: Sie „entwickelt sich nicht zufällig, sie wird geplant“. Und hier, in Kooperation und Planung, liege auch die große Chance für die Zukunft Gerresheims und seiner Umgebung: „Man muss Heimat als eine sich entwickelnde Kulturlandschaft betrachten“, erklärte Hoitz. Doch dies funktioniere nicht, wenn jede Gruppe ihr Partikularinteresse verfolgt. „Da muss man schon mal Abstriche machen“, appellierte Hoitz. So mancher Gerresheimer im Publikum applaudierte und dachte dabei wohl besonders an die nicht enden wollende Diskussion um die Benderstraße.

 

Ohne die Beachtung einer Kulturlandschaftsentwicklung bei der Städteplanung oder bei der Planung von „Seelsorgebereichen“ entstehen Moloche – Siedlungsräume oder Pfarreien, die keine Identifikation mit dem Lebens- und Glaubensraum ermöglichen. Die Beachtung einer Kulturlandschaft schenkt Menschen heute und morgen eine Identifikationsmöglichkeit mit ihrem Wohnort, bewahrt die Schöpfung und ist wertschöpfend, in ideeller und auch monetärer Hinsicht. 

 

Zuletzt wies Hoitz noch auf eine besondere Verbindung zwischen Heisterbach und Düsseldorf hin: Einer der letzten Mönche, der freigeistige Nivard Kraemer, kam nach Auflösung des Klosters nach Düsseldorf und betätigte sich hier als Herausgeber einer Zeitung. Der Titel: „Echo der Berge“.

 

 

Zur Geschichte der Kulturlandschaft Heisterbach:

Die Kulturlandschaft Heisterbach blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Das Zentrum der Landschaft bildet die ehemalige Zisterzienser-Abtei Heisterbach aus dem 12. Jahrhundert. Nach Jahrhunderten monastischen Wirkens hielt zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine neue Ära brachial Einzug: Mit der Industrialisierung endete das kontemplative Leben. Die Abtei fungierte nunmehr als Steinbruch, ihre Bausteine wurden unter anderem in der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz verbaut. In den folgenden 100 Jahren wurde zunächst ein Landschaftspark nach englischem Vorbild angelegt, dann diente die pittoreske Chorruine als Pilgerstätte für Bonner Burschenschaften. 1918 schließlich kehrte mit den Cellitinnen wieder klösterliches Leben in Heisterbach ein.

 

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