Katholiken sollen politisch sein! - Prälat Jüsten wirbt für ein engagiertes Einmischen in die Politik

v.l.: Dr. Nicola Haderlein (Bürgerstiftung Gerricus), Dr. Karl Jüsten, Antonius Kerkhoff (ASG)
v.l.: Dr. Nicola Haderlein (Bürgerstiftung Gerricus), Dr. Karl Jüsten, Antonius Kerkhoff (ASG)

Wie ist Frau Merkel denn so im persönlichen Umgang? Hören Politiker überhaupt auf die Kirche? Woher wissen Sie, wie die Katholische Kirche über Waffenlieferungen nach Syrien denkt? Prälat Dr. Karl Jüsten leitet das Katholische Büro in Berlin und ist somit hierzulande der „Chef-Lobbyist“ der Katholiken. Mit viel Humor ging er auf die Fragen von Moderator Helmuth Pathe von der Kölner Kirchenzeitung ein, und das Publikum im gut gefüllten Gerresheimer Stiftssaal merkte schnell: Da spricht kein steifer Dogmatiker, sondern ein lockerer Rheinländer, der sich mit viel Herzblut für die Demokratie und die Interessen der Kirche einsetzt.

Die Frage des Vortragsabends „Warum sollen Katholiken politisch sein?“, zu dem Bürgerstiftung Gerricus, ASG-Bildungsforum und Kirchengemeinde St. Margareta am Mittwoch eingeladen hatten, beantwortete der in Bad Honnef geborene Jüsten mit klaren Worten: „Wir sind politisch, weil wir die Welt gemäß unserer christlichen Berufung zum Besseren gestalten wollen.“ Kein Katholik dürfe sich mit den bestehenden Verhältnissen zufrieden geben.

 

Politikfelder, die Christen als politische Akteure besonders mitgestalten sollten, sind nach Meinung von Prälat Jüsten insbesondere der Schutz des Lebens am Anfang und am Ende, die Sozial- und Familienpolitik sowie die Flüchtlings- und Entwicklungspolitik. „Als Christen interessieren uns die Syrer, Iraker und Kurden nicht erst, wenn sie vor unserer Tür stehen, sondern schon vorher“, betonte Jüsten. Auch könne der Kirche nicht egal sein, wie hoch die Hartz-IV-Sätze seien. Dabei gab Karl Jüsten zu, dass der Meinungsbildungsprozess innerhalb der katholischen Kirche zuweilen ein sehr mühsamer sei. „Doch wir müssen konstruktiv damit umgehen.“ Schließlich gehöre Pluralismus zu unserer heutigen Gesellschaft dazu. So seien zum Beispiel Katholiken in allen demokratischen Parteien zu finden.

 

Immer wieder waren in Prälat Jüstens Vortrag kirchenkritische Töne zu hören. So warnte er vor einem Rückzug in eine „Kuschelkirche“, die dem Wunsch nach Behaglichkeit nachgebe und Orientierungsschwierigkeiten aus dem Weg gehe. Andererseits sollten „die Bischöfe nicht zu allen in der Gesellschaft diskutierten Themen mit dem Anschein der Letztverbindlichkeit sprechen“, betonte Jüsten.

 

Doch bei Fragen von großem ethischen Gewicht, wie zum Beispiel der Präimplantationsdiagnostik, gebe es bei aller Unterschiedlichkeit der Meinungen, eine große Einigkeit. Da funktioniere auch die Ökumene hervorragend. Bei den wichtigen Fragen wie aktuell beim assistierten Suizid arbeiteten das katholische und das evangelische Büro in Berlin stets Hand in Hand, so Karl Jüsten.

 

Sorge bereitet Prälat Jüsten jedoch der politische Nachwuchs. Deshalb appellierte er an das Publikum: „Sorgen Sie dafür, dass gute junge Leute in die Parteien gehen.“. Zugleich machte er seinen Düsseldorfer Zuhörern Mut: „Dass wir als Kirche eine funktionierende Basis haben und unkomplizierte Hilfe vor Ort leisten, imponiert den Politikern in Berlin“. Er mache immer wieder die Erfahrung, dass von der Kirche starke Impulse ausgingen und dass diese von Politikern aller Parteien wahrgenommen und gewünscht würden.

 

(Angelika Fröhling)

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