"Flüchtlingsunterkünfte sind keine Ghettos" - Vortrag im Stiftssaal lud zur Diskussion und zum Mittun ein

Die Pläne der Stadt Düsseldorf im Umgang mit Flüchtlingen erläuterte gestern der Leiter des Amtes für Soziale Sicherung und Integration, Roland Buschhausen, in einem Vortrag, zu dem die katholische Pfarrei St. Margareta, die Evangelische Gemeinde Gerresheim und die Bürgerstiftung Gerricus in den Stiftssaal von St. Margareta eingeladen hatten.

Roland Buschhausen geht davon aus, dass sich die Zahl der Flüchtlinge, die die Stadt Düsseldorf aufnimmt, 2015 wahrscheinlich auf 4.000 verdoppelt. Und die Zahl wird in den folgenden Jahren voraussichtlich weiter wachsen. Deshalb muss die Stadt Düsseldorf für mehr Unterkünfte sorgen. In Gerresheim wird die Unterkunft an der Heyestraße mehrere Jahre bestehen bleiben. Zudem wird für das ehemalige Altenpflegeheim an der Manthenstraße an einem Vertrag zur Nutzung für etwa 40 Menschen gearbeitet, ist die Einrichtung einer Erstaufnahmestelle mit etwa 600 Plätzen in mehreren Gebäuden der Bergischen Kaserne geplant. Darüber hinaus will die Stadt prüfen, ob im Bereich Blanckertzstraße oder Am Bongard mobile Wohnunterkünfte errichtet werden können.


„Flüchtlinge sind neue Nachbarn. Und Grundlage für eine gute Nachbarschaft ist die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen und sich kennenzulernen“, sagte Moderator Michael Brockerhoff vom Vorstand der Bürgerstiftung Gerricus. Dazu wollten die Kirchengemeinden und die Bürgerstiftung Gerricus beitragen.

 

Dagegen befürchteten Teilnehmer der sehr gut besuchten Veranstaltung, dass die Bergische Kaserne zu einem Ghetto werden könne, weil die Anbindungen an den Stadtteil schlecht seien. „Bei einer Erstaufnahme-Unterkunft ist das nicht zu befürchten, weil die Menschen nur etwa zwei Wochen bleiben und dann in andere Unterkünfte ziehen“, erklärte Buschhausen. Zudem wollten die Flüchtlinge nach den überstandenen Strapazen nur ihre Ruhe haben und sichere Spielmöglichkeiten für ihre Kinder, schilderte eine Besucherin Erfahrungen aus einer Erstunterkunft bei Straelen.Aber auch „die bestehenden Unterkünfte in den Stadtteilen sind kein Ghetto“, berichtete Daniela Bröhl, Sachgebietsleiterin Integration, Migration und Flucht bei der Diakonie Düsseldorf. Etwa 150 bis 200 Bewohner in einer Unterkunft sei eine überschaubare Zahl. Zudem gebe es allein deswegen Kontakte, weil die Kinder in eine Kita oder in eine Schule gehen. Und etwa ein Drittel der Flüchtlinge sind Kinder, so Roland Buschhausen.

 

Die funktionierende Nachbarschaft mit der Unterkunft Heyestraße hob dessen Leiter Andreas Theißen hervor: „Nachbarn kommen, wenn sie etwas stört. Durch die direkten Gespräche kann die Situation verbessert werden.“ Und Nachbarn unterstützen die Bewohner auch beispielsweise durch Spenden von Kleidern, Bettwäsche und Spielzeug.

 

Gesteuert wird diese Hilfe auch durch die regelmäßige Diakonie-Caritas-Sprechstunde der Kirchengemeinden, zu der immer mehr Flüchtlinge kommen. Bei den Besuchen geht es aber nicht nur um materielle Hilfe wie Kleidung oder Einkaufsgutscheine, sondern auch um persönliche Beratungsgespräche, berichtete Ingrid Schmitz, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Sprechstunde. In diesen Gesprächen würden Schicksale deutlich, etwa der jungen Frau, deren Mann hingerichtet wurde, oder einer Mutter, deren Eltern gestorben sind, und die mit ihrem behinderten Kind nach Deutschland gekommen ist. „Es ist zu spüren, dass es den Menschen gut tut, wenn sie ohne Druck über ihr Leben berichten können und sich verstanden fühlen“, sagte Schmitz.

 

Die Kirchengemeinden werden die Sprechstunden weiter finanzieren. Etwa 50.000 Euro pro Jahr fallen an Kosten an. Die Bürgerstiftung Gerricus wird die Arbeit weiterhin unterstützen und bittet um Spenden. Zudem hoffen die Kirchengemeinden, ehrenamtliche Helfer zu finden, die die Flüchtlingsarbeit unterstützen. Erste Interessenten haben sich am Ende der Vortragsveranstaltung schon dazu bereit erklärt.


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