Florian Sobetzko: "Lieber neue Fehler machen statt immer die alten"

Florian Sobetzko erzählte von erfolgreichen Gemeindeneugründungen und kirchlichen Innovationen. (Foto: Angelika Fröhling)
Florian Sobetzko erzählte von erfolgreichen Gemeindeneugründungen und kirchlichen Innovationen. (Foto: Angelika Fröhling)

Innovationsrezepte aus der freien Wirtschaft sind auch nützlich für eine Kirchengemeinde. Sie zeigen, wie sich engagierte Gemeindemitglieder und Seelsorger an den Wünschen der Menschen orientieren können. Eine erste Einführung gab Florian Sobetzko, Referent für pastorale Innovationsprozesse im Bistum Aachen, bei einem Vor-trag, zu dem die Bürgerstiftung Gerricus, die katholische Kirchengemeinde St. Margareta und ASG eingeladen hatten.

 

Florian Sobetzko veranschaulichte das Thema "Risikobereitschaft" anhand von drei mit Pralinen und anderen Dingen befüllten Eimer.
Florian Sobetzko veranschaulichte das Thema "Risikobereitschaft" anhand von drei mit Pralinen und anderen Dingen befüllten Eimer.

Wenn Kirche Menschen erreichen wolle, die nicht mehr zur Kirche gehen,

müsse sie Raum für Neues lassen, so Florian Sobetzko in seinem Vortrag im Gerresheimer Stiftssaal. Er warb dafür, auf Menschen zuzugehen und die christliche Botschaft an die Denkweisen und Ausdrucksformen der heutigen Gesellschaft anzupassen. Dabei verlangte er keine Rundumerneuerung der Kirche, sondern sprach sich dafür aus, in kleinen Schritten neue, innovative Angebote zu entwickeln.

 

So wie TippEx, der Rollkoffer und der BMW-Kombi von unzufriedenen Nutzern erfunden wurden, so könnten auch kreativ-unzufriedene Menschen Kirche verändern. Gesucht seien vor allem Leute, die nicht darauf warten, dass die Kirche der Zukunft „von oben“ kommt.

 

Das Kühlschrank-Prinzip

 

Das Vorgehen beschrieb der „Innovationsevangelist“ Sobetzko mit dem

Kühlschrank-Prinzip: Statt einen Einkaufszettel für das perfekte Menü zu

schreiben, fragen sich erfolgreiche Gründer: „Was kann ich aus den Dingen, die

jetzt im Kühlschrank sind, zubereiten? Und wen könnte ich zum Mitkochen

einladen? Welche Zutaten und Rezepte bringen meine Gäste mit, und was entsteht

dann Neues?“ Die Frage laute nie: Was müsste, hätte, könnte, würde ich gerne,

sondern einzig: Was kann ich jetzt tun?“ 

Andrea Schmitz und Michael Brockerhoff von der Bürgerstiftung Gerricus mit Florian Sobetzko.
Andrea Schmitz und Michael Brockerhoff von der Bürgerstiftung Gerricus mit Florian Sobetzko.

Nach diesem Prinzip müsse auch Kirche handeln: nicht nur versorgen, sondern zum Mitkochen einladen. Im Idealfall nicht nur Leute mit demselben Geschmack und demselben Kühlschrankinhalt. Und ähnlich wie in der Produktentwicklung müssten neue Modelle etwa für Gottesdienste in kleinen Gruppen getestet und entsprechend der Resonanz geändert werden. An Praxisbeispielen neuer Gottes-dienstformen und Gemeindegründungen in Aachen und anderen Städten zeigte er, wie das Kirche positiv verändert habe.

 

Dass das keine Kür ist, sondern Pflichtpro-gramm, biblischer und lehramtlicher Auftrag, zeigte er an prominenten Schriftzitaten und zentralen Dokumenten der katholischen Theologie: Kirche ist erst Kirche, indem sie sich kontinuierlich erneuert und läutert. „Innovation und Exnovation“, fasste Florian Sobetzko zusammen.

 

Lieber neue Fehler machen statt immer die alten

 

„Wir brauchen mehr Verrückte, aber auch Leute, die mit ihnen zusammenarbeiten können“ so zitierte er Vordenker. Es brauche unbedingt den Blick in die Gesellschaft mit der Frage, was Kirche oder ihre Botschaft mit dem Leben der Menschen zu tun hat. „Leider sind wir sehr gut darin, uns bunte Menschen erfolgreich vom ‚Leib Christi‘ zu halten“, kritisierte er.

Eine Erfolgsgarantie gäbe es bei keiner Innovation, sondern der Ausgang sei ungewiss, Fehler würden gemacht, betonte Sobetzko. Aber das sei gut so, denn aus ihnen könne gelernt und die kirchlichen Angebote verbessert werden, so der Referent aus dem Bistum Aachen, der zugleich an der Ruhr Universität Bochum und bei USA-Aufenthalten über kirchlichen Gründergeist und pastorales Innovationsmanagement forscht. Sein Fazit lautete „Machen wir lieber neue Fehler statt immer die alten“, lud er ein.

 

Der Abend war eine gelungene Aufforderung, sich den „Blick von außen“ nutzbar zu machen, und sprach vor allem jene Christen an, die Gott noch im Visier und die Kirche nicht aufgegeben haben.

 

 

Wer mehr über Florian Sobetzko und seine Konzepte erfahren möchte, findet einen Ausgangspunkt auf den Internetseiten:

 

www.visionen-brauchen-handwerk.de

www.zap-bochum.de/ZAP/team/florian-sobetzko.php

www.sobetzko.de 

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